Ausbau Bahnhof Zürich Oerlikon 2004–2016

Mitte des 19. Jahrhunderts war mit dem Bau des Bahnhofs Oerlikon ein Grundstein für die weitere Entwicklung von Zürichs Norden gelegt worden. Besiedlung und Industrie verzeichneten in der Folge einen starken Wachstum.

Als dann Ende des 20. Jahrhunderts die Industrieflächen aufgelöst und zu einem neuen Stadtquartier umgestaltet wurden, waren neue Wegbeziehungen über das Gleisfeld notwendig. Gleichzeitig brachte die regionale Verdichtung und der Ausbau des öffentlichen Verkehrs den Bahnhof an seine Grenzen. Unser Büro arbeitete von 2004 bis 2016 in Planung und Ausführung daran, den heute siebtgrössten Bahnhof der Schweiz an die neuen Anforderungen anzupassen.

Gemeinschaftswerk 

Die Schlüsselprojekte am Bahnhof Oerlikon, die im städtischen Entwicklungsrichtplan festgehalten sind, wurden zeitgleich mit der Zürcher Durchmesserlinie umgesetzt. Stadt und SBB entschieden sich deshalb für ein gemeinsames, ganzheitliches Vorgehen.

Für die Gestaltung des neuen Bahnhofs zeichnen sich 10:8 Architekten verantwortlich, für die Gesamtprojektierung ein interdisziplinäres Planerteam, weil dieses Projekt mehr wie andere Architektur und Ingenieurbaukunst vereint.

 

 

1 Quartierverbindung Oerlikon

2 Ausbau Personenunterführung Mitte (PU Mitte)

3 Ausbau Gleis 7+8

4 Neue Perronanlagen

5 Ausbau Personenunterführung Ost (PU Ost)

6 Quartieranbindung Zugang Andreasstrasse

Vermittler 

Die Teilprojekte sind mit einer durchgehenden städtebaulichen und architektonischen Haltung zu einem neuen Zentrum gefügt. Westlich binden die beiden Bahnhofplätze das Oerliker Zentrum und Neu-Oerlikon an. Östlich leitet das Brückenbauwerk den öffentlichen Raum in den Bahnhof über.

Die Architektur hat eine vermittelnde Funktion und soll Orientierung schaffen. Mehrere sich wiederholende, prägnante Gestaltungsmotive sind auf die je spezifische Situation angewandt: der dynamisch geformte Beton, das farbige Glas, der rhythmische Stahl- und Fassadenbau und der dunkle Metallbau.

Die farbigen Glasbaldachine und die Lichtwand sind Wegweiser und vermitteln zwischen den Gleisseiten. Die Räume unter den Baldachinen sind die Eingangshallen zum Bahnhof; sie verbinden die Stadt mit der unterirdischen Ebene und die Quartierverbindung mit der PU Mitte.

Raumidentität

Der Bahnhof Oerlikon ist ein öffentlicher Raum, der durch die Verbindung von Bahnhofsnutzung und städtischem Wegnetz geprägt ist. Die drei Personenunterführungen sind jeweils spezifisch gestaltet und haben je eine eigene Identität.

 

Quartierverbindung

Die Quartierverbindung ist ein gemeinsamer Raum für Fussgänger und Velofahrer. Die Oberflächen sind durch eine rhythmische Deckenfaltung und eine mehrschichtige Lichtwand bewusst aufgebrochen, um den Raum zu öffnen.

Personenunterführung Mitte

Die PU Mitte ist der primäre Zugang zur Bahn. Mit den stark zeichnenden Betonelementen von Lift und Treppe unterteilt die Perronfolge die beidseitigen Ladenzeilen optisch.

Personenunterführung Ost

Die PU Ost ist am Vorplatz Ost und an der Andreasstrasse an das Niveau der Stadt angebunden. Durch den durchlaufenden Asphaltbelag und die Sichtbeton-Decke ist die Unterführung als Verlängerung des Strassenraums lesbar.

Fliessender Raum

Dort, wo die Aussenräume des Quartiers zu den Innenräumen des Bahnhofs werden, übernimmt der Beton eine Leitfunktion.

Die grossen Öffnungen zu PU Mitte und Quartierverbindung sind von präzisen Betonbändern gefasst. Schräge Deckenuntersichten leiten in die unterirdischen Passagen weiter.

Im Osten verbinden die Portale Andreas-, Ohm- und Wattstrasse die Brücken und Stützwände mit der PU Ost. Dynamische Geometrien weisen den Passanten den Weg durch den Stadtraum.

Über das gesamte Bauwerk hinweg ist der Raum von nahtlosen Betonoberflächen gehalten und geführt. Selbst in komplexen Geometrien ist trotz den vielen Arbeitsphasen und Bauzuständen ein durchgehendes Schalungsbild gewährleistet.

Offener Raum

Mit dem Ausbau des Bahnhofs Oerlikon haben die SBB auch die Gleis- und Perronanlagen optimiert. Sämtliche Perrons sind neu, wobei die Perrondächer mit den angrenzenden Ausbauprojekten eine einheitliche Architektursprache verbindet. Die Dachkonstruktion besteht aus einem kräftigen Stahlbau, der mit grossen Spannweiten und einem integralen Installationskonzept auf den Perrons mehr Überblick und somit eine bessere Orientierung schafft. Die Elemente sind auf das Minimum reduziert, der Horizont ist über alle Dächer hinweg identisch. Dadurch entsteht eine klare Untersicht und in der Tiefe eine stark verbindende Wirkung.

 

Projektinformation

 

Auftrag Quartierverbindung/PU Mitte:

Tiefbauamt der Stadt Zürich

SBB AG

Studienauftrag 1. Preis 2004

Realisierung 2009–2016

 

Auftrag Gleis 7+8:

SBB AG

Realisierung 2008–2015

 

Auftrag Quartieranbindung Ost:

SBB AG

Tiefbauamt der Stadt Zürich

Realisierung 2010–2016

 

Mitarbeit 10:8 Architekten:

Lutz Neumann, Robert Schmude, Gregor Schlup, Ivica Kesic,

Gardar Snaebjörnsson, Ursula Seyr, Wolfgang Werschnig, Filipa Costa, Peter Bommeli

Achille Pata, Daniel Forster, Penelope del Rocino, Julia Riebel,

Rebekka Marxer, Laura Kälin, Francine Rotzetter, Romana Sander,

Regula Schweizer, Yvonne Eder, Camilla Johansen, Alicia Taylor, Andreas Fankhauser, Katja Lässer, Lenita Weber

Katrin Schubiger, Georg Rinderknecht, Jürg Senn

 

Projektpartner:

 

Locher Ingenieure AG

Bänziger Partner AG

Wild Ingenieure AG

Gruner AG

hssp AG

Meyer Partner Architekten

Ambühl & Moser Architekten

EBP Ernst Basler Partner

Vogtpartner Lichtgestaltende Ingenieure

Emmer Pfenninger Partner

Bakus Bauphysik