Negrellisteg

Zürich 2017-2020

Die beiden Gebietsentwicklungen Zollstrasse und Europaallee verdichten Zürichs Stadtzentrum entlang den Rändern des Gleisfelds. Der Negrellisteg verknüpft das Wegnetz zwischen den Kreisen 4 und 5 über dem offenen Gleisraum, und er ermöglicht freie Sichtbezüge und eine übergeordnete Orientierung im Stadtgefüge. Die Brücke wird zu einer weiteren Landmarke im Gleisfeld und bietet die Gelegenheit, beim Überschreiten der Gleise ein einmaliges Stadtpanorama zu erleben. Für seine Gestaltung hatte die SBB zusammen mit der Stadt Zürich einen selektiven Wettbewerb ausgeschrieben.

Wegzeichen zwischen Gebäuden

Beide Brückenabgänge setzen Wegzeichen in den Stadtraum. Die seitliche Brückenstirne wird nahtlos in die geschwungene Wange der Wendeltreppen geführt: So spannt sich der feine Brückenbogen bis zum Fusspunkt auf Stadtniveau und verbindet zeichenhaft die beiden Stadtseiten. Die sanfte Bogenform, die in der Brückenmitte kulminiert, stärkt die Präsenz des Stegs.

Durch die geschwungene Kurvengeometrie um den runden Liftturm befreien sich die Brückenabgänge formal von den kubischen Begrenzungen der benachbarten Gebäude. Es entsteht der jeweils maximale Freiraum, den die Stadträume beidseitig zulassen. Die auf Bewegung fokussierte Formensprache unterstützt die Alleinstellung des skulpturalen Stellwerkgebäudes von Max Vogt.

Textile Brüstung

Die Brüstung begleitet die Fussgänger durchgehend und beidseitig. Von innen bietet sie den nötigen Schutz zum Gleisfeld, von aussen unterstützen starke Abschlusselemente die geschwungene Linie der Brücke. Zwischen den beiden linearen Elementen eines Ober- und eines Untergurts ist ein dichtes Metallgewebe durch die tragenden Pfosten geflochten. Es verleiht der Brüstung eine textile Wirkung. Die Lifttürme werden durch die gewebeartige Verkleidung zu leichten und einsehbaren Zylindern im Raum.

Markante Tragelemente

Die Brückenuntersicht – mit einem mittigen Träger – wird im Sinne der Gesamtform und des Tragverhaltens durchgehend bis zum Brückenfuss geführt. Während die Wendeltreppen eine federnde Funktion im Tragwerk übernehmen, sind die Lifttürme davon losgelöst. Getragen wird der Brückenträger von zwei Doppelstützen, die sich jeweils auf die Mauerflanken der beiden abtauchenden Bahnrampen beziehen. Bedingt durch die wachsende statische Höhe des mittigen Trägers, und um eine funktionale Entwässerung zu gewährleisten, gibt es eine leichte Steigung zur Brückenmitte hin. Die Treppenläufe öffnen sich mit zunehmender Verbreiterung nach unten maximal zum Stadtraum. Die Tritte sind flach gehalten und ermöglichen ein bequemes Flanieren.

Wegweisende Beleuchtung

Zugunsten eines ökonomischen Betriebs wird für die Grundbeleuchtung und den „Plan Lumière“ dieselbe Lichtmassnahme vorgeschlagen. Dank der Wellenform der Brüstung kann das im Handlauf integrierte Licht alternierend nach innen und nach aussen wirken. Die innen liegende Leuchte verteilt das Licht asymmetrisch auf den Gehbereich und erreicht so eine gleichmässige Ausleuchtung mit warmem Licht. Die aussen liegende Leuchte ist mit einer Rillenoptik versehen und verhindert eine Blendung des Zugverkehrs, aber lässt das wellenförmige Brüstungsband in den Abendstunden subtil aufleuchten.

Ein äusseres Streiflicht auf die Lifttürme sorgt zusätzlich für eine Fernwirkung in das Quartier und ein gesamtharmonisches Lichtbild des Stegs.

Projektinformation

 

Auftrag: 

SBB Immobilien, Development Europaallee

Einstufiger Studienauftrag im selektiven Verfahren, 1. Preis

 

Projektdaten:

Länge 160m

Spannweiten 35-11-78-11-24 m

Höhe über Schiene 8,40m

 

Mitarbeit 10:8 Architekten:

Andrea Zupan-Dover, Laura Bagdonaite, Lisa Märkl

Georg Rinderknecht, Katrin Schubiger, Jürg Senn

 

Projektpartner:

Conzett Bronzini Partner AG

Diggelmann + Partner AG 

Vogtpartner Lichtgestaltende Ingenieure